Wenn ein Kind das Handy in die Hand bekommt, sieht man plötzlich seine Welt. Es fotografiert die Schuhe im Flur, den Hund von ganz nah, das Frühstück, die Schaukel und den eigenen Finger vor der Linse. Diese Bilder sind nicht perfekt, aber sie zeigen, was aus Kindersicht wichtig ist. Das ist oft wertvoller als jedes gestellte Familienbild, weil es ehrlich ist und aus einer ganz anderen Höhe entsteht.
Vertrauen, ein paar Regeln und Geduld
Erkläre zuerst kurz, wie man das Handy hält. Mit beiden Händen, das Band um das Handgelenk, wenn es eines gibt, und am besten im Sitzen auf dem Boden. Zeige, wo man tippt, und lass das Kind dann einfach machen. Kleine Kinder brauchen nur wenige Handgriffe. Ältere finden selbst heraus, wie sie nah herangehen oder sich ihre Bilder ansehen.
Gib dem Kind ein Thema, wenn es Lust hat. Fotografiere heute alles, was rund ist. Zeige mir die Dinge, die du am liebsten magst. Finde etwas, das dich zum Lachen bringt. Themen machen es leichter, nicht wahllos zu knipsen, und sie helfen dem Kind, genauer hinzusehen. Hat es keine Lust auf Themen, ist das auch in Ordnung. Freiheit ist wichtiger als Vorgaben.
Sieh dir die Bilder gemeinsam an. Frage nicht, warum ein Bild unscharf ist, sondern was darauf zu sehen ist. Kinder erzählen gern, und aus einem verwackelten Bild wird plötzlich eine Geschichte. Lass das Kind aussuchen, welche Bilder es behalten möchte, und lösche die übrigen erst, wenn es einverstanden ist. So merkt es, dass seine Bilder ernst genommen werden.
Sprich auch darüber, was man fotografiert und was nicht. Andere Menschen sollten vorher gefragt werden, und manche Bilder sind nur für die Familie. Kinder verstehen das gut, wenn man es freundlich erklärt. Am Ende des Monats kannst du einige Bilder ausdrucken und an die Wand hängen. Ein Kind, das seine eigenen Bilder an der Wand sieht, ist stolz und macht gern weiter. Ihr könnt sogar eine kleine Ausstellung im Flur einrichten und Gäste einladen, sich die Bilder anzusehen und das Kind dazu zu befragen.